Die Regierung hat heute Ihren Beschluss kommuniziert, das Bewerbungsdossier und das Grobkonzept für Olympia 2026 zu veröffentlichen. Das ist erfreulich und zeigt: Der Druck aus der Bevölkerung wirkt. Ein erster Blick in die Unterlagen ist hingegen ernüchternd. Alle zentralen Fragen sind offen.

1. Graubünden und Partner gibt es nicht
Aus den Unterlagen geht hervor, dass die Stadt Zürich der Regierung Graubündens unmissverständlich kommunizierte, dass sie kein Partner ist. Offensichtlich wurde verzweifelt nach Alternativen gesucht. Neben der Stadt Zürich ist nun im Prinzip die ganze Ostschweiz Partner (Schaffhausen, Winterthur, Frauenfeld, Bad Ragaz usw.). Das Problem ist jedoch, dass von keinem Partner eine verbindliche Zusage vorliegt. Es ist offensichtlich: Graubünden und Partner gibt es nicht. Dem Projekt fehlt so die wichtigste Basis.

2. Kein plausibles Budget ersichtlich, Sicherheitskosten bleiben grosse Unbekannte
Im Grobkonzept wie im Bewerbungsdossier fehlt ein nachvollziehbares Budget resp. die Plausibilisierung der Zahlen. Namentlich die teuren Sicherheitskosten bleiben die grosse Unbekannte – was sind die Kosten, wenn das zitierte «Normalszenario» nicht eintritt? In Anbetracht der aktuellen Debatte um die stetig steigenden WEF-Sicherheitskosten eine zentrale Frage. Unklar ist weiter, wer für das Defizit haftet. In der Vergangenheit wurde das Budget bei Winterspielen im Schnitt um 142 Prozent überschritten (vgl. Studie der Oxford University, 2016). Darum müssen die StimmbürgerInnen wissen, wer für ein allfälliges Defizit haften würde.

3. Ohne temporäre Bauten geht es nicht
Bis anhin versprachen die PromotorInnen ein Konezpt, das ohne temproräre Bauten auskommt. Im Bewerbungsdossier sind nun 222 Mio. CHF für sog. «temporäre Overlay Strukturen» (z.B. Olympische Dörfer) vorgesehen. Auch auf die bestehenden Bauten kann nicht gesetzt werden, ohne dass diese für teures Geld «übersaniert» werden. Diese Geldverschwendung widerspricht den ursprünglichen Versprechungen der PromotorInnen.

4. Unprofessionelles Management kann kein Vertrauen schaffen
Generell erwecken die Unterlagen den Eindruck, überhastet und unsorgfältig erarbeitet wurden zu sein. So wurde beispielsweise der Churer Stadtrat erst am 1. Dezember 2016 (!) von der Regierung angefragt, ob Chur sich um eine Rolle als «Host City» bewerben wolle. Chur sagte ab, genau gleich wie Zürich. Ungeachtet dessen, wird im Abstimmungsbüechli Chur als mögliche Host-City erwähnt. Das vorliegende Projekt und dessen Management schafft so kein Vertrauen. Die StimmbürgerInnen kaufen bei einem JA die Katze im Sack. So fehlen beispielsweise klare rote Linien für die Verhandlungen mit dem IOC. Gerade diese sind jedoch zentral, denn die Vergangenheit zeigte, dass das IOC über die Verträge, Sponsoring-Partner, Medienrechte, Verträge usw. bestimmt.

5. Wirtschaft investiert keinen Franken
Die Kandidatur wurde von den Funktionären der Wirtschaftsverbände angestossen. Die Unteralgen zeigen jedoch, dass sich die Wirtschaft mit keinem Franken beteiligt. Olympia soll ein gutes Geschäft sein, selbst investieren will man jedoch nicht. Das ist unglaubwürdig. Wiedermal muss der Steuerzahler für sämtliche Kosten aufkommen.

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